18.07.2023

Auf dem Bauernhof

Der Tag begann um 7 Uhr. Wir durften heute mit auf den Bauernhof/Imkerhof. Das Hof ist super idyllisch gelegen: Ganz allein in einem kleinen Tal, von Blumenwiesen und grünen Hügeln umgeben. Es gibt Schafe und Ziegen, Kühe, zwei Pferde, Hühner, Küken, Enten mit Küken, Gänse mit Küken, eine Truthahnmama mit untergeschobenen Hühnerküken, drei Hunde und natürlich massenhaft Bienen.

Zunächst ging es aber an die Arbeit: “Djadja” Kolja, der dort arbeitet und das ganze Jahr über dort lebt, hatte schon die Kühe zum Grasen gebracht und kümmert sich jetzt um die Schafe und Ziegen.

Muslim-absi, Waldemar und wir beide machten uns daran den Honig zu ernten. Wir bekamen alle einen Imkerhut und das wars an Schutzkleidung. Ich bekam noch ein kleines Gerät zum Rauch pusten in die Hand. Die Bienen denken so, dass es brennt und greifen uns nicht an. Wir öffneten also einen Bienenstock nach dem anderen und holten die Waben heraus. Die Bienenstöcke sind immer zweigeschossig aufgebaut: der untere Teil bleibt den Bienen und der obere Teil wird ca. alle 10 Tage herausgeholt und der Honig geerntet. Nachdem wir eine Wanne voller Rahmen mit Honig gesammelt hatten, ging es damit in den Schuppen. Dort wurden die überstehenden Waben abgekratzt und Waben, die die Bienen für den Winter verschlossen hatten, wieder geöffnet. Dann kamen immer 8 Rahmen in eine Zentrifuge / Separator und wir kurbelten, dass der Honig an die Wand der Tonne geschleudert wurde. Anschließend wurde er in Milchkanister umgefüllt und wir hatten unseren ersten Honig geerntet. Wir holten noch ein zweites Mal die Rahmen aus den Bienenstöcken, bekamen dann aber noch eine neue Aufgabe. Mit uns quatschte Muslim-absi zu viel und für vier Leute war eigentlich auch nicht genug Arbeit / Geräte da.

Schon am Morgen hatte Kolja die Kühe gemolken. Und diese 1,5 Liter Kanister sollten separiert werden. Dazu gab es eine elektrisch betriebene Zentrifuge / Seperator. Durch eine Batterie, die durch ein Photovoltaik-Panel geladen wurde, wurde sie mit Strom versorgt. Wir füllten langsam die Milch in den Separator und erhielten Sahne und “Abrat”, das den Tieren gefüttert wurde.

Reinhard an der Zentrifuge

Um uns zu beschäftigen, schickte Muslim-absi uns anschließend los zum Himbeeren ernten. Muslim-absi erklärte Reinhard den Weg, aber Reinhards Russisch war doch nicht gut genug und so liefen wir erst einmal vorbei. Die Aussicht war aber wunderschön und so war das auch nicht weiter schlimm. Zum Glück kamen Rinart-absi, Ilmira-apei, Salavad und Sultan (arbeitet auch auf dem Hof) heute auch zur Imkerei und uns gerade zur richtigen Zeit entgegen. Sie zeigten uns die richtige Stelle. Die Himbeeren waren hier einfach wild gewachsen und wir mussten uns durch die schulterhohen Pflanzen kämpfen. Die Beeren waren recht klein und so dauerte es recht lang, bis sich unser Joghurteimer füllte.

Himbeer-Ernte
Himbeer-Ernte
Himbeer-Ernte

Wieder am Hof war Zeit für die Mittagsruhe und wir legten uns ins kühle Haus. Reinhard und Muslim-absi konnten aber nicht so richtig schlafen und so quatschten sie in einer Tour. So erfuhren wir die Geschichte von Kolja. Er war verheiratet, hatte einen Sohn und ein Haus. Da es hieß, in Russland sei das Leben besser, verkaufte er sein Haus zu einem günstigen Preis und ging mit seiner Familie nach Russland. Dort erging es ihm aber ziemlich schlecht, da er nicht für seine Arbeit bezahlt wurde. Er beschloss wieder nach Kasachstan zurückzugehen. Seine Frau wollte aber nicht mehr zurück. So kam er ohne Frau und ohne Geld nach Kasachstan zurück. Durch die Arbeit auf dem Bauernhof hat er nun aber wieder einen Sinn im Leben gefunden und genießt es dort allein zu sein.

Nach dem Mittagessen (Es gab Kaschmir und frittierte Zucchini mit Knoblauch-Majonaise und Tomate darüber.) spazierten wir ein bisschen durch den nahegelegenen Wald. Einen richtigen Wanderweg fanden wir nicht und so steckten wir immer wieder in Sackgassen aus hohem Gras und Gestrüpp fest. Einen Bären haben wir aber nicht getroffen.

Die nächsten 1-2 Stunden beobachteten wir all die verschiedenen Tiere auf dem Bauernhof. Ich könnte stundenlang da sitzen und nur um mich herumschauen. Den Tieren wurde langsam langweilig und so kämpften die Hunde miteinander, der Hahn begattete alles was nicht schnell gung davonrannte, junge Hähne kämpften miteinander und die alleinerziehende Gänsemama musste ihre Jungen vor dem anderen Vater verteidigen. Reinhard versuchte, ein paar Fotos vom Sonnenuntergang zu machen, die Hunde ließen ihn aber nicht vorbei und einer versuchte ihm in die Beine zu beißen. Erst mit Ilmira-apei gemeinsam durfte er vom Hof heruntergehen.

Ein junges Rind
Truthähne
Truthahn und Hühner

Dann wurden die Kühe von den Wiesen zurückgetrieben. Kolja ritt auf dem Pferd hinter ihnen her und trieb sie an. Natürlich ging ein Teil der Tiere erstmal am Hof vorbei und der Rest verteilte sich überall und graste einfach weiter. Die Hunde kamen vorbildlich angerast, als die ersten Tiere am Eingang vorbeigingen, kläfften ein bisschen herum, trugen aber nichts zur Ordnung bei. Nach und nach trieb Kolja mit ein bisschen Hilfe vom Ilmira-apei jede Kuh einzeln an ihren Platz.

Da das Pferd nun auch wieder da war, durften wir da auch einmal ein bisschen reiten. Bei mir klappte es ein bisschen und ich schaffte auch ein paar Trabsprünge aus dem faulen Tier herauszutreiben. Reinhard saß eher drauf und ließ es grasen. Ihm wurde aber auch nichts erklärt und so hatte er die Zügel zu lang und traute sich nicht, mit den Füßen in die Seite zu hauen. Muslim-absi zeigte uns noch Galopp, das wollte wir dann aber lieber doch nicht ausprobieren.

Sophie reitet vor dem Sonnenuntergang
Auch Reinhard schafft es

Zum Abendessen gab es eine Suppe mit Fleisch und Kartoffeln, ein selbstgemachter Joghurtdrink und zum Nachtisch Honigmelone. Danach schauten wir uns ein bisschen den wunderschönen Sternenhimmel an und Kolja molk nochmal eine Kuh, sodass wir frische Milch trinken konnten. Süß, warm und eigentlich ganz lecker war sie.

Abendessen

Gegen 23 Uhr kamen wir wieder am Haus in Lepsinsk an und Reinhard, Muslim-absi und Salavad füllten den Honig aus den Milchkannen in große Fässer. Nach einem Saunagang fiel ich todmüde ins Bett und Reinhard trank nochmal einen Tee mit den anderen.

P.S. Eventuell wurde ich von einer Biene gestochen. Waldemar gab mir ein Hemd von sich, damit ich ein bisschen besser geschützt war. Das war aber recht weit und so geriet eine Biene hinein. Da sie nach dem vermeintlichen Stich aber wieder wegflog und kein Stachel stecken geblieben ist, sind wir uns nicht sicher. Es juckt auch eher als dass es weh tut. Für mich sah das wegfliegende Tier aber wie eine Biene aus und flog auch so.