Ankunft in Taldykorgan und Andenken an Reinhards Opa
Gegen 2 Uhr morgens landeten wir in Almaty und mussten zuerst durch die Passkontrolle. Die Dame sprach jedoch nur Russisch und nachdem Reinhard vor mir schon nicht alles verstanden hatte, sprach sie mit mir kein Wort und gab mir den Stempel.
Hinter der Passkontrolle bekamen wir schnell unsere Koffer. Irgendwie ist dabei mein Handy verschwunden. Kurz war die Aufregung groß: Wir versuchten nochmal zur Kofferausgabe zurückzukommen – nicht möglich. Ich suchte nochmal bei den Toiletten – nichts. Da tauchte es in Reinhards Hosentasche wieder auf. Es hatte sich hinter seinem Reisepass versteckt.
Kurz darauf kam Reinhards Onkel Rinart-absi und holte uns ab. Wir stoppten zunächst noch einmal an einem Supermarkt, weil Flora noch etwas zu essen haben wollte. Kurz picknickten wir auf dem Supermarkt-Parkplatz und machten uns dann auf den Weg nach Taldykorgan.
Zunächst war es dunkel und ich schlief nochmal ein wenig. Langsam wurde es aber heller und der Ausblick war schon beeindruckend: Diese weite Steppe, teils grün, teils rot, mit Hügeln und zerklüfteten Felsen – für mich eine ganz neue Landschaft.
Gegen 6 Uhr, also nach etwa 4 Stunden Fahrt, kamen wir bei Reinhards Oma an. Sie wohnt in dem Haus gemeinsam mit Rinart-absi und Irina, seiner Frau. Außerdem ist aktuell noch Ilmira-apei zu Besuch. Natürlich tranken wir als erstes Tee. Reinhards Oma wurde im Vorfeld nichts von unserem Besuch erzählt, da sie sich sonst zu viele Sorgen machen würde und so war sie ganz überrascht.
Das Tor mit Wachhund (und einer kleinen Überraschung am Auto)
Reinhard beim Schnitzen, dahinter links die Banja (= Sauna), dahinter rechts der Heizungsraum, rechts neben ihm das Haus
Der Garten
Auch wenn ich jede Minute genutzt habe, zu schlafen, merkte ich noch immer meinen Schlafmangel und legte mich nochmal ins Bett.
Um 12 Uhr stand nämlich schon unser erster großer Termin an. Reinhards Opa war vor einem Jahr gestorben und da nun die Trauerzeit vorbei war, kamen alle Verwandten und Bekannten noch einmal zusammen und dachten an ihn. Wir trafen uns in einem Restaurant. Zunächst wurde gebetet, dabei musste alle Frauen ihren Haare bedecken. Zum Essen gab es dann Plov, verschiedene Salate, Hähnchenschenkel, Tschebureki und zum Tee danach Gebäck, Süßes und Tschaktschak.
Im Restaurant
Frauen mussten ihr Haar bedecken
Plov, verschiedene Salate, Hähnchenschenkel, Tschebureki und zum Tee danach Gebäck, Süßes und Tschaktschak
Das Essen war recht schnell vorbei. Ich hatte noch nicht einmal alles probiert, da nahmen die Frauen an meinem Tisch (Frauen und Männer saßen getrennt) schon die vorbereiteten Tüten am Tisch und schaufelten das Essen hinein. Alles wurde miteinander vermischt. Sarkhit (=Mitbringsel) – so nennt man diese Tradition hier und es wird bei solchen Feiern immer gemacht. Der Grund dahinter ist, dass auch die, die Zuhause bleiben mussten, von dem Essen probieren konnten. Die Gastgeber freuen sich, wenn die Teller leer sind. Für mich war es doch sehr ungewohnt. Zumal es, meinem Gefühl nach, mitten unter dem Essen begann.
Nach nur einer Stunde war das Zusammenkommen auch schon wieder vorbei. Es waren sehr viele Menschen, die auch Reinhard nicht alle kannte. Aber ich lernte Muslim-absi, den Mann von Ilmira-apei, deren Kinder Yulduz und Firuza, sowie die Kinder von Firuza, außerdem auch noch Mnir-absi (Bruder von Flora) und einige Cousins und Cousinen von Flora kennen.
Während ich mich am späten Nachmittag schon ins Bett legte, fuhr Reinhard mit seinem Onkel Mnir-absi und Waldemar ein bisschen durch die Stadt und zum Grab seines Opas.
Da es im Haus der Oma zu eng war, wurden Reinhard und ich in die Stadtwohnung von Ilmira-apei gebracht und verbrachten die Nacht dort. Da es dort kein WLAN gab und wir somit keine Möglichkeit hatten, mit den anderen zu kommunizieren, machten wir aus, dass sie uns um 12 Uhr abholen würden.